Die verfallende Papierfabrik

Seit 1970 steht sie leer. Die alte Fabrik, die eigentlich im Jahre 1860 als Tuchfabrik gebaut wurde und dann nach einem Feuer zur Papierfabrik umgebaut wurde. In den frühen Produktionsjahren wurden hier Papiere für Tapeten und Fahrkartenkartonagen hergestellt. Eine 650 PS starke Tandemdampfmaschine lieferte die Antriebsenergie. Ab 1912 lieferte eine Dampfturbine den elektrischen Strom. Dieses Relikt ist noch immer im Erdgeschoss zu sehen. Der eigentliche Generator von AEG ist aber neueren Baujahrs.  Es gibt unendlich viel in diesem doch recht bekannten Lost Place zu sehen, dennoch sollte hier eine deutliche Warnung ausgesprochen werden. Einige Teile des Gebäudes sind sehr stark Einsturz gefährdet. Insbesondere der hintere Teil der Maschinenhalle, wo nach dem letzten Sturm große Teile des Daches  herunter gekommen sind und viele Fetten und Ziegel nur noch am "seidenen Faden"  in ca. 10m Höhe hängen. Das gleiche gilt auch für das Dach des  Kesselhauses. Auch die Laufstege im Kesselhaus sind teilweise so marode und gerade an den Aufnahmen im Mauerwerk so stark weggerostet, dass sie in keinem Falle betreten werden sollten. Mittlerweile ist es insbesonders bei windigem und regnerischen Wetter lebensgefährlich diesen Ort zu betreten !!!


Aussenansicht mit Verladung

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Maschinenhalle

Hier stand einmal das Herzstück der Fabrik: Die Papiermaschine.  Im hinteren Bereich (Richtung Kesselhaus) befand sich einst der Stoffauflauf. Hier wurde der aufbereitete Stoff (Papierbrei) nass auf eine, mit einem ca 1,80 m breiten Förderband vergleichbare, laufende Siebbahn gleichmäßig aufgetragen. Die dünne und nasse Papierbahn durchlief die Nasspartie, wo einfach gesagt die breiartige Papierbahn vom Wasser befreit wurde. Zusätzlich wurde die ganze Papierbahn incl. des laufenden Siebs auf dem sie lag, quer zur Laufrichtung geschüttelt, damit sich die Papierfasern nicht alle in Laufrichtung legen, sondern einen stabilen Verbund bilden. Nachdem die Papierbahn die Nasspartie verließ durchlief sie zwei gummierte Walzen und das restliche überschüssige Wasser wurde  ausgepresst, bevor die noch feuchte Bahn entgültig über eine Filzbahn die Trockenpartie durchlief. Diese beiden gummierten Walzen, die den Übergang von Nasspartie und Trockenpartie bilden, sind auch heute noch zu sehen (Blid 7 und 8). Die Trockenpartie bestand aus mehreren mit fast 300 Grad heißem Dampf beheizten Trockenzylindern. Das einzige Relikt dieser Zylinder ist der Hochzylinder, der sich noch heute fast am Ende der Maschine befindet, bevor die Papierbahn dann zum Schluss über einen Kalander (drei übereinander laufende Walzen, die für die endgültige Glättung des Papier diente) abgenommen wurde und auf eine große Rolle aufgerollt wurde. Gerade diese Kalander waren für die Papiermacher ein echter Fingerquetscher. Ich kenne kaum einen Papiermacher, der noch alle Finger an der Hand hat. Dannach ging die etwa 1,80m breite Papierrolle in die Weiterverarbeitung zum Schneiden.  Die Papiermaschine, die hier stand, ist im Vergleich zu anderen Anlagen von der Größe her ein  Witz, was auch das frühe Aus 1970 erklärt. 

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Stoffaufbereitung

Der Stoff wurde meist aus Holzfasern, Zelloulose oder Altpapier hergestellt.  Im Pulper (Bild 2 quasi ein riesen Mixer) wurde z.B. Altpapier oder auch Holzfasern mit Wasser versetzt und zu einem Brei gerührt und die in Wasser gelöste Faser dann über verschiedene Maschinen (Refriner, Holländer, ect.) gemahlen. Diese Faserstoffmahlung ist wichtig für die verschiedenen Arten von Papier und deren Qualität. Zwischen den verschiedenen Mahlprozessen, wird der Stoff immer wieder in verschiedenen Bütten unter Rühren gelagert, damit z.B. beim Ausfall verschiedener Maschinen der Stoff auf der immer laufenden Papiermaschine niemals ausgeht.

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Kesselhaus

Bei der Papierherstellung werden große Mengen an Dampf zum Beheizen der Trockenylinder benötigt. Über Steigrohre im Kessel, wird Wasser mittels Kohlenfeuer/Glut herhitzt, bis es unter hohem Druck verdampft. Zusätzlich wurden hier mit dem gewonnenen Dampf zwei Turbinen betrieben, die je einen Generator zur Stromerzeugung antrieben.  Die Turbine im Erdgeschoss ist  schon ein echtes Relikt ganz ganz früher Ingenieurskunst und meines Erachtens eine echte Rarität.

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Turbinenhalle (EG)

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Weiterverarbeitung und Labor

In der Weiterverarbeitung wurden die großen Papierrollen geschnitten, umgerollt und zu verschiedenen Produkten verarbeitet. In dieser Fabrik produzierte man allerlei Endprodukte. u.A. Zementsäcke, Versandtaschen. Von den verschiedenen Maschinen, wie Querschneider, Umroller, Falzmaschinen ect. ist leider fast gar nichts mehr zu sehen, da siie wahrscheinlich nach der Schliessung direkt demontiert und verkauft wurden.

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Allerlei Impressionen

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©2015 TEXTE & BILDER Mr.X-MIX by Ralf



Fotografie

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* Die Faszination des Vergessenen .... Ja, hier noch mal für unsere Schnelleser: Es heißt nicht des "Vergessens" sondern des "Vergessenen" ;-)